In Unterricht und Lehre nutze ich jede Gelegenheit, um auf die Klassifikation von Erziehungsstilen nach Diana Baumrind aufmerksam zu machen, die meines Erachtens ausreichend differenziert und gut erforscht ist, um den Blick für entwicklungsförderliches und weniger entwicklungsförderliches Erziehungsverhalten zu schärfen. In diesem Beitrag soll es um Erziehung in der Familie gehen und den Nutzen der Erziehungsstilforschung für die Elternberatung in der Kindertagesbetreuung. Dass pädagogische Fachkräfte auf dieser Grundlage auch ihre eigenen Erziehungsvorstellungen reflektieren können, darum kann es in einem weiteren Blogbeitrag gehen.
Warum die Führungsstile nach Lewin weniger nützlich sind
Die Erziehungsstilforschung der amerikanischen Entwicklungspsychologin Diana Baumrind (1927–2018) ist meiner Erfahrung nach leider wenig bekannt. Im pädagogischen Berufswissen dominieren begrifflich die Führungsstile, die der deutsch-amerikanische Sozialpsychologe Kurt Lewin 1890–1947) gemeinsam mit Ronald Lippitt und Ralph K. White untersuchte. Sie unterschieden zwischen autoritärer, demokratischer und Laissez-faire-Führung.
Die drei Führungsstile nach Lewin und seinen Kollegen entstanden in der Forschung zu Gruppen und wurden dann auf die Erziehung übertragen. Der autoritäre Stil ist durch Entscheidungen der Führungsperson, durch Anweisungen und Kontrolle geprägt. Beim demokratischen Stil werden Gruppenmitglieder beteiligt, gemeinsame Entscheidungen gefördert und Eigenständigkeit unterstützt. Der Laissez-faire-Stil gewährt weitgehende Freiheit, bietet jedoch wenig Anleitung und Struktur.
Diese Übertragung auf die Erziehung von Kindern ist allerdings aus mehreren Gründen problematisch. Zum einen unterscheidet das Modell nur drei Stile – eine in der Erziehung häufig zu beobachtende Überbehütung lässt sich darin beispielsweise nur schwer einordnen. Zum anderen legt der Begriff „demokratisch“ nahe, dass Kinder und Erwachsene über die gleiche Entscheidungsmacht verfügen. Das ist damit jedoch nicht gemeint: Erwachsene behalten ihre Erziehungsverantwortung, auch wenn sie Kinder an Entscheidungen beteiligen. Der Begriff „demokratisch“ ist letztendlich irreführend. Schließlich entstand das Modell im Kontext der sozialpsychologischen Forschung zu Gruppendynamik, Gruppenklima und Führungsverhalten in den 1930er-Jahren. Die spezifischen Fragen der Entwicklungspsychologie und der Eltern-Kind-Interaktion standen dabei nicht im Mittelpunkt.
Die vier Erziehungsstile nach Baumrind als Orientierungsrahmen
Diana Baumrinds ursprünglich drei Erziehungsstile wurden von Eleanor E. Maccoby und John A. Martin (1983) später zu einem Vier-Felder-Modell erweitert, das zwei Dimensionen der Eltern-Kind-Interaktion miteinander verbindet: die Dimension „Zuwendung und Unterstützung“ sowie die Dimension „Strukturierung und Lenkung“. Obgleich die Erziehungsstile im Kontext Familie erarbeitet und untersucht wurden, lassen sie sich auf die Kindertageseinrichtung übertragen. Nur ein Erziehungsstil fördert die emotional-soziale und die motivational-kognitive Entwicklung des Kindes, drei Erziehungsstile haben entscheidende Nachteile für das Kind.

Abb. 1: Erziehungsstile nach Baumrind und Maccoby/Martin (Generiert mit ChatGPT)
Der autoritative Erziehungsstil verbindet eine hohe emotionale Zuwendung und Unterstützung des Kindes mit Strukturierung, klaren Erwartungen, verlässlichen Grenzen und einer Lenkung des Verhaltens gemäß dem kindlichen Entwicklungsstand. Eltern und Fachkräfte begegnen den Kindern feinfühlig und zugewandt, nehmen deren Bedürfnisse ernst, erklären Regeln und fördern altersangemessene Selbstständigkeit. Gleichzeitig übernehmen sie Verantwortung und bieten Orientierung (siehe Abb. 1).
Zwei Beispiele: In einer Familie wird die Hausaufgabensituation so gelöst, dass Kinder selbst entscheiden können, ob sie nach dem Mittagessen sich erst ausruhen möchten oder direkt mit den Hausaufgaben beginnen. Allerdings sollten die Aufgaben beendet sein, bevor das Kind spielen geht. – Ein junges Kind möchte abends länger aufbleiben. Die Eltern nehmen seinen Wunsch ernst und erklären, warum Schlaf wichtig ist. Sie bleiben bei der vereinbarten Schlafenszeit, ohne das Kind abzuwerten oder einzuschüchtern.
Aus psychologischer Sicht gilt dieser Erziehungsstil – erfahren ihn Kinder verlässlich über viele Jahre – als besonders entwicklungsförderlich: Kinder erlangen emotionale Sicherheit und werden in Selbstregulation und Eigenverantwortung gefördert. Sie zeigen hohe soziale Kompetenzen und sind leistungsbereit in Schule und Ausbildung.
In der Praxis – besonders im deutschsprachigen Raum – führt der Begriff „Autoritativer Erziehungsstil“ allerdings oft zu gravierenden Fehleinschätzungen, da er falsch assoziiert wird. Zum einen wird er mit „Autoritärer Erziehungsstil“ verwechselt, zum anderen bezeichnet in den Politikwissenschaften „Autoritarismus“ eine antidemokratische und antipluralistische Regierungsform. Vor allem in populärwissenschaftlichen Zusammenhängen werden Alternativen gesucht, ohne dass die Bezeichnungen deckungsgleich mit dem autoritativen Erziehungsstil nach Baumrind wären. So wird alternativ von einem bindungs- und bedürfnisorientierten Erziehungsstil gesprochen, oder auch die Bezeichnung „positiv-autoritativ“ gewählt, um eine Assoziation mit dem Begriffsfeld der „Positiven Autorität“ zu erzeugen. Ein hier ebenfalls zuzuordnender Ansatz ist die „Neue Autorität“, die der israelische Psychologe Haim Omer in den 1980er- und 1990er-Jahren entwickelte und die im deutschsprachigen Raum besonders durch die Zusammenarbeit mit Arist von Schlippe bekannt wurde. Im Kern lassen sich für ein positives Verständnis von Autorität fünf Merkmale beschreiben:
- Beziehung: Erwachsene begegnen Kindern mit Wertschätzung und emotionaler Zugewandtheit.
- Orientierung: Sie vermitteln Regeln, Werte und Erwartungen nachvollziehbar.
- Verlässlichkeit: Sie handeln konsequent und berechenbar, statt willkürlich.
- Präsenz: Sie übernehmen Verantwortung und bleiben auch bei Konflikten ansprechbar.
- Respekt: Sie setzen Grenzen, ohne die Würde von Kindern zu verletzen.
All diese Merkmale kennzeichnen auch den autoritativen Erziehungsstil. Der Entstehungszusammenhang des Konzepts der „Neuen Autorität“ bei Familien mit Erziehungsschwierigkeiten erklärt den stärkeren Fokus auf elterliche Verantwortungsübernahme und Verhaltenslenkung.
Der autoritäre Erziehungsstil nach Baumrind ist durch hohe Anforderungen und Kontrolle bei vergleichsweise geringer emotionaler Wärme, Gleichgültigkeit oder gar emotionaler Kälte gekennzeichnet (siehe Abb. 1). Gehorsam und die Einhaltung von Regeln stehen im Vordergrund, Entscheidungen werden häufig vorgegeben und weniger erklärt. Kinder erhalten dadurch zwar möglicherweise klare äußere Orientierung, haben jedoch weniger Gelegenheit, eigene Perspektiven einzubringen, Entscheidungen nachzuvollziehen und Selbstständigkeit zu entwickeln. Es kann sich ängstliches Verhalten entwickeln oder später, wenn das Kind älter ist, gar Widerstand gegen die Eltern entstehen (siehe Abb. 1).
Zu den beiden Beispielen: In einer Familie ist festgelegt, dass die Hausaufgaben unmittelbar nach dem Mittagessen erledigt werden. Die Kinder haben sich an diese Vorgabe zu halten, eigene Wünsche nach einer Ruhepause werden nicht berücksichtigt. – Ein Kind möchte abends länger aufbleiben. Die Eltern lehnen dies ab und erklären: „Solange du bei uns wohnst, gelten unsere Regeln. Du gehst jetzt ins Bett, darüber wird nicht diskutiert.“
Ein autoritärer Erziehungsstil war bis in die 1960er-Jahre üblich. Heute kommt er seltener vor. Man muss sich aber vergegenwärtigen, dass er in traditionell geprägten Familien verdeckt auftreten kann, wenn religiöse Gebote und Überlieferungen als unumstößliche Vorgaben verstanden werden und die Entwicklung eigener Überzeugungen und Lebensentwürfe nur begrenzt zugelassen wird. Dies kann beispielsweise Kleidungsvorschriften, geschlechtsspezifische Rollenerwartungen, die Wahl von Freundschaften und Partnerschaften oder den Lebensstil betreffen. Entscheidend ist dabei nicht die Religionszugehörigkeit, sondern eine nicht kritisierbare Autorität und die Untersagung individueller Freiheit oder abweichender Überzeugungen.
Beim verwöhnenden beziehungsweise permissiven Erziehungsstil in der Klassifikation nach Baumrind zeigen Eltern viel Zuwendung, setzen jedoch wenige Grenzen und Anforderungen. Die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder werden häufig berücksichtigt, während verbindliche Regeln und konsequente Grenzsetzungen fehlen. Dies kann die emotionale Beziehung unterstützen, zugleich aber Schwierigkeiten beim Umgang mit Frustration, Regeln und den Bedürfnissen anderer begünstigen, was die schulische und ausbildungsbezogene Entwicklung beeinträchtigt (siehe Abb. 1).
Über diesen Erziehungsstil habe ich bereits in drei Blogbeiträgen geschrieben, weil er nicht nur als Interaktionsmuster in Familien auftritt, sondern meiner Einschätzung nach auch in Kindertagesstätten reflektiert werden muss, wenn eine extreme Nachgiebigkeit die Interaktion mit dem Kind prägt (Blogbeiträge vom 17.9.2026, vom 20.9.2026 und vom 25.9.2026).
Zu den beiden Beispielen: In einer Familie wird die Hausaufgabensituation so gelöst, dass die Kinder selbst entscheiden können, ob sie nach dem Mittagessen erst spielen oder sich ausruhen möchten. Die Eltern bestehen nicht darauf, dass die Hausaufgaben vor dem Spielen erledigt werden. Bei verwöhnenden Eltern kann man auch beobachten, dass sie die Hausaufgaben für die Kinder erledigen, wenn diese am späten Abend dann keine Lust mehr haben. Oder sie schreiben ihren Kindern eine Entschuldigung. – Ein Kind möchte abends länger aufbleiben. Das Elternteil erlaubt es ihm, obwohl eigentlich Schlafenszeit ist, weil es dem Kind den Wunsch erfüllen und einen Konflikt vermeiden möchte.
Der vierte Erziehungsstil in der Klassifikation nach Baumrind, der vernachlässigende Erziehungsstil, ist durch geringe emotionale Zuwendung und geringe elterliche Lenkung gekennzeichnet. Die Beteiligung der Eltern am Alltag und an der Entwicklung ihrer Kinder ist gering. Pädagogisch ist hier besonders aufmerksam zu prüfen, ob die grundlegenden emotionalen, sozialen und entwicklungsbezogenen Bedürfnisse des Kindes ausreichend berücksichtigt werden. Die fehlenden Bindungsangebote und die geringe Strukturierung seitens der Eltern bergen ein großes Risiko für Verhaltensprobleme beim Kind (siehe Abb. 1).
Zu den beiden Beispielen: In einer Familie wird die Hausaufgabensituation so gelöst, dass die Kinder selbst entscheiden, ob und wann sie ihre Hausaufgaben erledigen. Die Eltern erkundigen sich nicht danach, ob die Aufgaben bearbeitet wurden, und bieten bei Schwierigkeiten keine Unterstützung an. Im Extremfall zeigen sie kein Interesse an den schulischen Aufgaben ihrer Kinder. – Ein Kind möchte abends länger aufbleiben. Die Eltern gehen darauf kaum ein und überlassen dem Kind selbst, wann es ins Bett geht. Sie interessieren sich wenig dafür, ob das Kind ausreichend Schlaf bekommt, und sorgen nicht für eine verlässliche Schlafenszeit.
Bedeutung für die Elternarbeit
Für pädagogische Fachkräfte ist die Auseinandersetzung mit Erziehungsstilen vor allem dann hilfreich, wenn sie Eltern-Kind-Interaktionen beobachten, familiäre Belastungen einschätzen oder Unterstützungsangebote planen. Die theoretischen Kategorien können dabei helfen, konkrete Verhaltensweisen systematisch zu betrachten, statt sich ausschließlich auf spontane Eindrücke oder persönliche Bewertungen zu verlassen.
Wichtig ist allerdings, sich zu vergegenwärtigen, dass Eltern nicht losgelöst von ihren eigenen Lebensbedingungen und Erfahrungen bestimmte Erziehungsmuster entwickeln. Ihre Vorstellungen von Erziehung können durch die eigene Kindheit, kulturelle Prägungen, familiäre Traditionen und gesellschaftliche Erwartungen beeinflusst sein. Ein verwöhnender Erziehungsstil kann beispielsweise durch die eigene Erfahrung eines autoritären Erziehungsstils geprägt sein, der unbedingt vermieden werden möchte. Er wird aber auch durch Elternratgeber zu bedürfnisorientierten, bindungsorientierten oder autonomiefördernden Erziehungsstilen beeinflusst, die oftmals einseitig dargestellt werden. Eltern können auch unterschiedliche Erziehungsstile praktizieren.
Soziale Belastungen von Eltern spielen eine besonders wichtige Rolle. Finanzielle Sorgen, beengte Wohnverhältnisse, berufliche Überlastung, Konflikte in der Partnerschaft oder fehlende Unterstützung können die Fähigkeit beeinträchtigen, geduldig, emotional verfügbar und konsequent auf Kinder einzugehen. Und dennoch wird der Erziehungsstil nicht einfach von der sozialen Lage bestimmt.
Die Kenntnis der Erziehungsstile und das Wissen um den Vorteil eines autoritativen Erziehungsstils bilden eine solide Grundlage, um gemeinsam mit Eltern alternative Handlungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Dabei ist es sinnvoll, nicht abstrakt über Erziehungsideale zu sprechen, sondern konkrete Alltagssituationen aufzugreifen.
Wenn Eltern beispielsweise Schwierigkeiten haben, Grenzen zu setzen, können gemeinsam wenige, verständliche Regeln entwickelt werden. Anschließend lässt sich überlegen, wie diese Regeln altersgerecht vermittelt und verlässlich umgesetzt werden können. Eltern können darin unterstützt werden, zwischen dem Verständnis für kindliche Gefühle und dem Nachgeben bei jeder Forderung zu unterscheiden. Ein Kind darf beispielsweise wütend sein, weil es seine Hausaufgaben beginnen muss oder die Bettzeit ansteht, während die vereinbarte Grenze dennoch bestehen bleibt.
Mögliche Formulierungen im Elterngespräch: „Sie möchten Ihrem Kind den Alltag erleichtern. Das ist verständlich. Gleichzeitig ist es wichtig zu lernen, dass Hausaufgaben zum Alltag gehören und bewältigt werden müssen. Sie müssen Ihrem Kind nicht jede Anstrengung ersparen.“ „Ihr Kind darf enttäuscht sein, wenn es noch weiterspielen möchte, obgleich es Zeit ist, ins Bett zu gehen. Sie müssen diese Enttäuschung nicht verhindern. Ihre Aufgabe ist es, für ausreichend Schlaf zu sorgen und Ihrem Kind dabei zu helfen, mit solchen Regeln umzugehen.“
Bei einem stark kontrollierenden bis autoritären Erziehungsverhalten kann es dagegen hilfreich sein, Eltern für die Perspektive des Kindes zu sensibilisieren. Sie können ermutigt werden, Regeln zu erklären, Entscheidungen nachvollziehbar zu machen und dem Kind altersgemäße Mitbestimmung zu ermöglichen. Ziel ist nicht, elterliche Autorität grundsätzlich infrage zu stellen, sondern sie mit Beziehung, Verständlichkeit und angemessener Beteiligung zu verbinden.
Mögliche Formulierungen im Elterngespräch: „Es ist wichtig, dass Kinder lernen, Aufgaben zuverlässig zu erledigen und Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen. Das gilt in besonderem Maße für die Hausaufgaben. Erfahrungsgemäß können Kinder diese Fähigkeiten jedoch besser entwickeln, wenn ihre Bedürfnisse und Schwierigkeiten ernst genommen werden und sie bei Bedarf Unterstützung erhalten. Als Elternteil können Sie klare Erwartungen formulieren und verbindliche Regeln vertreten, dem Kind aber gleichzeitig auch die Möglichkeit lassen, die Ausgestaltung der Hausaufgaben mitzubestimmen.“ – „Eine verlässliche Schlafenszeit ist wichtig. Gleichzeitig hilft es Ihrem Kind, wenn Sie wahrnehmen, was ihm das Einschlafen erleichtert oder erschwert. Sie müssen die Regel nicht aufgeben, aber Sie können gemeinsam mit Ihrem Kind überlegen, wie der Übergang zum Schlafen besser gelingt.“
Wenn Eltern emotional wenig verfügbar erscheinen, sollte geklärt werden, welche Ursachen hierfür bestehen. Möglicherweise benötigen sie Entlastung, praktische Unterstützung oder Hilfe bei der Bewältigung eigener Belastungen. Pädagogische Fachkräfte können gemeinsam mit den Eltern kleine, realistische Schritte planen, beispielsweise regelmäßige gemeinsame Zeit, bewusstes Zuhören oder eine verlässlichere Reaktion auf kindliche Kontaktversuche.
Bei Anzeichen einer möglichen Vernachlässigung sind die Bedürfnisse und die Sicherheit des Kindes besonders sorgfältig in den Blick zu nehmen. Die Einordnung eines Erziehungsstils allein reicht dabei nicht aus, um eine Gefährdung festzustellen. Entscheidend sind die konkreten Lebensbedingungen, die Versorgung des Kindes, mögliche Risiken und die verfügbaren Schutzfaktoren. Erforderliche Verfahren zum Kinderschutz müssen dann erwogen werden.
Fazit
Erziehungsstile sind ein hilfreiches Instrument, um elterliches Verhalten systematisch zu beobachten, wiederkehrende Interaktionsmuster zu erkennen und pädagogische Unterstützungsangebote zu planen. Ihr Nutzen liegt nicht in der eindeutigen Klassifizierung von Eltern, sondern in der fachlich begründeten Auseinandersetzung mit der Qualität der Eltern-Kind-Beziehung und den Bedingungen kindlicher Entwicklung. Als Zielorientierung dient der autoritative Erziehungsstil, der emotionale Wärme, Zuwendung und Unterstützung mit Strukturierung, Verantwortungsübernahme und altersgemäßer Lenkung verbindet. Kinder, die diesen Erziehungsstil bei ihren Eltern erfahren durften, entwickeln sich emotional, sozial, motivational und leistungsbezogen günstig.
Eine verantwortungsvolle Anwendung der Erziehungsstilforschung in der Kindertagesbetreuung verbindet theoretisches Wissen mit konkreter Beobachtung, Ressourcenorientierung, Sensibilität für soziale und biografische Zusammenhänge sowie der Reflexion eigener Vorannahmen. Auf dieser Grundlage können pädagogische Fachkräfte Eltern dabei unterstützen, ihre Erziehungskompetenz zu erweitern, tragfähige Beziehungen zu gestalten und ihren Kindern zugleich emotionale Sicherheit, Orientierung und Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Hierbei machen pädagogische Fachkräfte Beratungsangebote zwischen Tür und Angel und im Entwicklungsgespräch, die Eltern annehmen können und dadurch ihren Möglichkeitsraum in Erziehungsfragen erweitern. Dass Eltern diese Beratung nicht nutzen können, gehört zu den Grenzen der Elternberatung insgesamt und im Kontext der Kindertagesbetreuung.
Die Anwendung des Konzepts ermöglicht nicht nur eine Professionalisierung der Elternarbeit, sondern ermöglicht ebenfalls, dass pädagogische Fachkräfte ihre eigenen Erziehungsvorstellungen reflektieren. Darum kann es in einem weiteren Blogbeitrag gehen.
Literatur
Baumrind, D. (1991). Parenting styles and adolescent development. In J. Brooks-Gunn, R. M. Lerner, & A. C. Petersen (Eds.), The encyclopedia on adolescence (pp. 746–758). Garland Publishing.
Lewin, K., Lippitt, R., & White, R. K. (1939). Patterns of aggressive behavior in experimentally created “social climates.” The Journal of Social Psychology, 10(2), 269–299. https://doi.org/10.1080/00224545.1939.9713366
Maccoby, E. E., & Martin, J. A. (1983). Socialization in the context of the family: Parent–child interaction. In P. H. Mussen & E. M. Hetherington (Eds.), Handbook of child psychology: Vol. 4. Socialization, personality, and social development (4th ed., pp. 1–101). John Wiley & Sons.
Omer, H., & von Schlippe, A. (2016). Stärke statt Macht: Neue Autorität in Familie, Schule und Gemeinde (3., unveränderte Aufl.). Vandenhoeck & Ruprecht.
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