Mein Name und eine falsche politische Zuschreibung: Warum nicht Suchmaschinen, sondern destruktive Diskurse dahinterstehen

Dieser Beitrag klärt eine problematische Suchmaschinenverknüpfung meines Namens und erläutert die Hintergründe dafür. Da Rufschädigung auch in anderen beruflichen Kontexten als machtorientierte Strategie genutzt wird, wenn Konflikte destuktiv ausgetragen werden, soll es auch um eine kurze wissenschaftliche Analyse solcher Prozesse gehen.

Klarstellung zur Darstellung meiner Person in Suchmaschinen

Wenn mein Name in die Suchmaschine Google eingegeben wird, erscheint teilweise eine Verknüpfung mit der AfD. Diese Zuordnung beruht nicht auf einer eigenen politischen Tätigkeit oder Zugehörigkeit, sondern auf politischen Unterstellungen Dritter. Diese Zuschreibung hat mit meiner wissenschaftlichen Arbeit, meiner beruflichen Tätigkeit oder meiner Einstellung als Bürgerin nichts zu tun. Negative politische Zuschreibungen wurden verbreitet, ohne dass hierfür belastbare Tatsachengrundlagen vorlagen. Dabei wurde von den Verantwortlichen zumindest billigend in Kauf genommen, dass bei Außenstehenden ein falscher Eindruck über meine Person und über mich als Professionelle entsteht und mein beruflicher sowie wissenschaftlicher Ruf beeinträchtigt werden kann. Diese Zuschreibung weise ich entschieden zurück und stelle ihre Unbegründetheit klar.

Mein Selbstverständnis als Forschende und Lehrende

Die Kriterien meiner fachlichen Einschätzungen sind nicht parteipolitisch oder ideologisch geprägt, sondern orientieren sich an wissenschaftlichen Grundsätzen. Dazu gehören die Offenheit für neue Erkenntnisse, nachvollziehbare Erkenntniswege, die Freiheit der Weltanschauung sowie der verfassungsrechtliche Rahmen wissenschaftlicher Praxis. Diese wissenschaftliche Grundhaltung ist prinzipiell von Kategorien wie politischer Zweckmäßigkeit oder moralischer Bewertung zu trennen: „Die Psychologie muss Wahrheit grundsätzlich in allen Bereichen des menschlichen Erlebens und Verhaltens anstreben. Dies gilt auch für Themen, die aus wirtschaftlicher, politischer und normativer Sicht unpopulär oder als nicht opportun erscheinen“. Die verschiedenen Erkenntniswege und Weltanschauungen, die in einen Forschungsprozess einfließen, sollten einen konstruktiven Dialog ermöglichen und nicht zur Ausgrenzung führen: „Deshalb dürfen Wissenschaftler, die kontroverse Positionen vertreten, weder offen noch verdeckt ausgegrenzt werden (z. B. durch Nichteinladung zu Kongressen, Verächtlichmachung von Publikationen, Diffamierung der Person etc.)“.[1]

Suchbegriffe ohne entsprechende Suchergebnisse

Es ist natürlich verführerisch, den problematischen Suchvorschlag in der Google-Autovervollständigung meines Namens anzuklicken – er steht auch an erster Stelle. Und wenn man die Suchergebnisse sieht, könnte man auf die Idee kommen, fündig geworden zu sein. Denn es wird sogar meine Homepage angezeigt sowie mehrere inhaltliche Beiträge. Auf den ersten Blick kann übersehen werden, dass die erwartete Wortkomination in keinem einzigen fachlichen Beitrag vorkommt. Festzuhalten ist:

  • Es gibt keine Verbindung zwischen meiner Person und Parteien.
  • Es gibt keine inhaltlichen politischen Positionierungen in meiner wissenschaftlichen Arbeit.

Nur wer genau hinsieht erkennt, was für Suchmaschinen zutreffen kann: dass Verknüpfungen von Begriffen und Inhalten angezeigt werden, die nichts miteinander zu tun haben. Die Google-Autovervollständigung entsteht nämlich nicht nur, weil es tatsächliche Beiträge gibt, die die gesuchten Begriffe kombinieren, sondern auch nur, weil Nutzer bestimmte Suchanfragen eingeben. Wie es in Bezug auf meine Person zu solch abwegigen parteipolitischen Suchanfrage kommen konnte, lässt sich sehr genau ergründen.

Wie diese Verknüpfung entstanden ist

Im Kontext fachlicher Diskussionen im Bereich der Kindheitspädagogik kam es insbesondere im Jahr 2025 zu öffentlich geführten Auseinandersetzungen über wissenschaftliche Positionen und deren Einordnung. Dabei wurde eine Buchpublikation in einer Fachbuchreihe und Positionen, die ich veröffentlicht habe, durch kindheitspädagogische Institutionen politisch interpretiert und so für eigene machtorientierte Zwecke funktionalisiert. Aus meiner Sicht überschritten diese Einschätzungen die Grenzen einer sachorientierten wissenschaftlichen Debatte und hatten rufschädigende Wirkungen. Auf den Rechtsweg habe ich verzichtet, obgleich er mir als erfolgreich angeraten wurde. An verschiedener Stelle habe ich mich kritisch zu einem solchen Umgang mit meiner Person positioniert. [2]  Wer solche politischen Zuschreibungen öffentlich verbreitet, muss die vorhersehbaren Folgen für die Reputation der betroffenen Person berücksichtigen. Wahrscheinlich haben sich in diesem Zusammenhang öffentlicher Debatten Kommentare oder Suchanfragen gehäuft und den Autocomplete erzeugt, unabhängig davon, dass es keine Suchergebnisse gibt.

Was fällt einem dazu aus wissenschaftlicher Perspektive ein?

Im letzten Beitrag vom 20.6.2026 über den Umgang mit Konflikten wurde deutlich, dass machtorientierte Strategien aufkommen, wenn eine offene Diskussion nicht möglich ist. Das Abcanceln von Kritik ist leider typisch für berufliche Kontexte, die ideologieanfällig sind. Von daher ist interessant, wie diese Prozesse wissenschaftlich analysiert werden können.

Labeling-Theorie

Der beschriebene Prozess – hier: die Unterstellung rechtslastiger Positionen – kann in den Sozialwissenschaften als Zuschreibungs- und Etikettierungsprozess beschrieben werden. Dabei werden Personen durch externe Deutungen mit Bedeutungen verbunden, die nicht aus ihren eigenen Aussagen oder Handlungen hervorgehen. In digitalen Kontexten können solche Etikettierungseffekte verstärkt werden, wenn einzelne Dokumente aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang herausgelöst und durch Suchmaschinen miteinander verbunden werden. Aus einer stigmatisierungstheoretischen Perspektive ist es besonders problematisch, wenn einzelne Zuschreibungen die Wahrnehmung einer Person dominieren und andere Aspekte ihrer beruflichen oder wissenschaftlichen Identität überlagern. [3]

Aus meiner Sicht zeigt sich hier ein grundsätzliches Spannungsfeld: Große Teile der Kindheitspädagogik setzen sich gegenüber Kindern für den Abbau von Hierarchien und Machtverhältnissen ein. Bei Themen wie Entwicklungsscreenings oder additiver Förderung im Kita-Alter wird häufig vor möglichen Etikettierungsprozessen und deren negativen Folgen für Kinder mit Förderbedarfen gewarnt. Immer wieder wird der Dialog aller Beteiligten betont. Diese machtkritischen Positionen wurden Ende des vergangenen Jahres beispielsweise in einem Memorandum formuliert, das von mehreren Hundert Fachleuten aus Hochschulen und Trägerstrukturen unterzeichnet wurde.[4]

Während in großen Teilen der Kindheitspädagogik also selbst regelmäßig auf die Problematik von Etikettierungsprozessen hingewiesen wird, entstanden in Fachdebatten dann Zuschreibungen, die Personen oder wissenschaftliche Positionen stark verkürzen und bei denen Rufschädigung billigend in Kauf genommen wird. Machtsensibilität und Machtausübung – das passt nicht zusammen.

Abwehrmechanismen von Institutionen

Offensichtlich unerkannt bleibende Widersprüche erinnern an das Konzept der Abwehrmechanismen aus der Psychoanalyse. Abwehrmechanismen beschreiben in der Psychologie unbewusste Prozesse, durch die Individuen belastende, widersprüchliche oder bedrohlich erlebte Wahrnehmungen reduzieren, um das eigene Selbstbild oder innere Gleichgewicht zu stabilisieren. Übertragen auf Institutionen können sich solche Mechanismen in kollektiven Deutungsmustern zeigen, wenn Organisationen Kritik, Konflikte oder problematische Entwicklungen nicht integrieren, sondern beispielsweise durch Verleugnung, Verschiebung oder Abwertung abwehren. Statt offene Diskurse zu führen, können wissenschaftliche Positionen entstehen, die anderen Perspektiven vorschnell problematische, hier z.B. autoritäre Motive zuschreiben.[5]

Nach meiner Wahrnehmung werden bestimmte Konfliktlinien in der aktuellen Kindheitspädagogik nicht ausreichend diskutiert. Werden diese Konfliktlinien angesprochen, lässt sich nicht selten beobachten, dass Positionen oder Personen abgewertet werden, anstatt die zugrunde liegenden Argumente zu diskutieren. Um welche tabuisierten Themen geht es ? Es geht um die Konfliktlinie zwischen dem Anteil an Selbst- und Fremdsteuerung beim Aufwachsen von Kindern, um die Konfliktlinie zwischen einer jungen Disziplin Kindheitspädagogik, die ihre Beziehung zu den Nachbardisziplinen noch klären muss, besonders zu der Psychologie, sowie um die Konfliktlinie zwischen einer sozial- und rechtspolitisch begründeten Kindheitspädagogik und einer belastbar evidenzbasiert ausgerichteten Kindheitspädagogik – so meine Wahrnehmung.

Ausschlusskommunikation und Diskursverweigerung

Ausschlusskommunikation bezeichnet Kommunikationsformen, durch die Personen, Gruppen oder Positionen aus einem Diskurs ausgeschlossen, delegitimiert oder als nicht mehr dialogwürdig markiert werden.

Besonders problematisch erscheint mir, wenn öffentliche Zuschreibungen dauerhaft bestehen bleiben, ohne dass eine offene Auseinandersetzung über ihre Grundlagen und ihre Berechtigung stattfindet. Im vorliegenden Fall verweigern die kindheitspädagogischen Verbände seit mehr als einem Jahr jede ernsthafte Gesprächsbereitschaft. Schwerwiegende öffentliche Bewertungen bleiben bestehen, während diejenigen, die sie formuliert haben, nicht bereit sind, diese in einem offenen fachlichen Dialog zu begründen, zu verteidigen oder kritisch zu reflektieren.

Versuche, Diskussionsrunden zu organisieren (z.B. im Deutschlandfunk) werden nicht ergriffen. Meine Bitten und Forderungen nach einer Versachlichung der Debatte werden entweder ignoriert oder nur höchst selektiv beantwortet.

Dies kann als Ausdruck einer eher machtorientierten als einer dialogorientierten Kommunikationsweise verstanden werden. Solche Prozesse werden in öffentlichen Debatten häufig unter dem Schlagwort „Cancel Culture“ diskutiert. Wissenschaftlich lassen sie sich jedoch differenzierter als Formen sozialer Sanktionierung, diskursiver Ausgrenzung oder Ausschlusskommunikation beschreiben. Kennzeichnend ist dabei, dass nicht die argumentative Auseinandersetzung im Vordergrund steht, sondern die soziale Markierung und Delegitimierung von Personen oder Positionen.[6]

Fazit

IIm Beitrag wurde die falsche Zuschreibung politischer Positionen gegenüber meiner Person und meinen Veröffentlichungen eingeordnet und in ihrer Entstehung auf öffentliche Zuschreibungen im Kontext kindheitspädagogischer Fachdebatten zurückgeführt. Dabei wurde ein machtorientierter Umgang mit Konflikten im Sinne von Labeling, Abwehrmechanismen und Ausschlusskommunikation analysiert.

Wissenschaftliche Arbeit lebt von Kritik, Diskussion und der Vielfalt unterschiedlicher Perspektiven. Entscheidend ist jedoch, dass fachliche Auseinandersetzungen nachvollziehbar bleiben und nicht in personalisierte oder verkürzte Zuschreibungen übergehen, die sich auch über algorithmische Prozesse in ihrer Wirkung verstärken und reputationsschädigend wirken können.

Auch wenn sich die Entstehung dieser Suchverknüpfungen analytisch nachvollziehen lässt, bleibt ihre Wirkung auf die eigene Person deutlich spürbar. Die Erfahrung solcher Zuschreibungen ist für mich weiterhin irritierend und Anlass zur kritischen Reflexion.


[1] Fachgruppe „Psychologie“ im „Netzwerk Wissenschaftsfreiheit“ (2024). Thesen zur Wissenschaftsfrei-heit. Report Psychologie, 49 (6), 38. (Zitate auf Seite 38)

[2] https://www.veronika-verbeek-trier.de/kita-kindeswohl-im-blick/

[3] Goffman, E. (2010): Stigma. Über Techniken der Bewältigung beschädigter Identität. Suhrkamp.

[4] Dreyer, R., Cloos, P., Hogrebe, N. & Kaul, I. (2025): Memorandum zur Frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung in Deutschland. Alice Salomon Hochschule Berlin. https://doi.org/10.58123/aliceopen-794

[5] Much, A. & Rauchhaus, E. (2021). Beratung in Organisationen. Umgang mit Widerstand und Abwehrmechanismen. Vandenhoeck und Ruprecht.

[6] Nida-Rümelin, J. (2025): Cancel Culture: Ende der Aufklärung? Ein Plädoyer für eigenständiges Denken. Piper.

Hinterlasse einen Kommentar